Die Heile und die Geile [Seitensprung 1]

Die meisten Seitensprünge scheinen sich im Büro anzubahnen. Szene aus der Anwaltsserie Suits

Die meisten Seitensprünge scheinen sich im Büro anzubahnen. Szene aus SUITS

Warum gehen wir fremd? Annett Louisan singt: „… man braucht beide Welten, die Heile und die Geile“. Schauen wir uns erst einmal die Statistik an, damit wir wissen, wovon wir reden.

Verschmust und gemütlich
das geht schon mal ne Weile
doch man braucht beide Welten
die Heile und die Geile

Eine feste Beziehung
ist ein sicherer kleiner Hafen
aber andere Menschen
wollen doch auch mal mit einem schlafen

Annett Luisan in „Herrenabend“

„Die Heile und die Geile“ – Fremdgehen von Männern und Frauen. Was sagt die Statistik …

Jeder deutsche Mann hat 3 Seitensprünge absolviert, 32% der Berliner sind schon mal fremdgegangen, aber nur 13% der Brandenburger (jeweils Männer UND Frauen) … sagen die Statistiken, und die wollen wir uns zunächst einmal etwas genauer anschauen.

… und was davon kann man glauben?

Was heißt schon „Seitensprung“?

Viele Statistiken haben Macken, die nichts mit Vorsatz („Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“) zu tun haben. Zunächst einmal fehlen in den Fußnoten oft genaue Angaben zur Fragestellung und zur persönlichen Einschätzung. Allein die genauere Betrachtung der Definition von „Seitensprung/Fremdgehen“ rückt das Bild vom omnipotenten abenteuerlustigen Neuzeitcasanova schnell wieder gerade. Dem Portal statista.de zufolge gilt für ca. 10 Prozent der Befragten nämlich schon der Blickkontakt mit anderen Männern oder Frauen als Fremdgehen.

Einer hier, einer da, valide Fallzahlen sind selten

Ein weiteres Problem ist die Fallzahl solcher Umfragen, dazu solltet Ihr unbedingt diesen Beitrag im Siegel lesen: „Was Umfragen wert sind: Wir würfeln uns eine „Studie“ (den Link findet Ihr unten im Text). Björn und Sören Christensen kommen darin zu dem Schluss, dass viele Statistiken schon deshalb für die Katz sind, weil ihre Fallzahlen (also die Zahl der befragten Personen, aber auch die Zufälligkeit deren Auswahl) nichts taugen. Viele Statistiken könnte man auch mit dem Würfel erstellen – ohne sie von „echten“ Befragungen unterscheiden zu können. Die Aussagen zum Fremdgeh-Verhalten nach Bundesländern stammen übrigens aus diesem Text.

Rachel und Mike in Suits

Ist Fremdgehen cool?

Und noch eine Sichtweise ist zu beachten: Offenbar gilt der Seitensprung vielen Menschen noch immer ein Zeichen positiver Männlichkeit. Männer, die fremdgehen, sind „echte Kerle“, während das Fremdgehen der Frau offenbar immer noch eher negativ gesehen wird. Wird nun eine entsprechende statistische Erhebung durchgeführt, könnten Männer wegen dieses vermeintlich positiven Images geneigt sein, ihre persönlichen Erfahrungen aufzublähen, um vor dem Interviewer oder Interviewerin besonders männlich zu erscheinen.

Ein ganz ähnliches Problem haben die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in den jährlich durchgeführten Erhebungen zur Zusammensetzung ihrer Leserschaft („Media-Analyse“). Dort wird in Haushalten abgefragt, welche Zeitungen und Zeitschriften gelesen werden. Die Ergebnisse passen oft nicht zur Einkommenssituation, weil viele Probanden bei der gestützten Abfrage (ihnen wird also eine Liste von Titeln vorgelegt) falsche Angaben machen, um den Interviewern zu gefallen. So kommen „Zeit“ und „FAZ“ und „Tagesspiegel“ oft zu angeblichen Lesern, die in Wirklichkeit nur die BILD lesen – das gegenüber den adrett gekleideten Damen und Herren im face-to-face-Interview  aber nicht zugeben wollen.

Links

Was Umfragen wert sind: Wir würfeln uns eine „Studie“. Von Björn Christensen und Sören Christensen. Link

Fazit

Halten wir also fest: ganz so wild, wie es die Statistiken darstellen, geht es offenbar doch nicht zu.

Im nächsten Teil des Beitrags geht es um Verhaltensregeln: „Wenn schon Seitensprung, dann richtig“. Wer nichts verpassen will, bestellt den Newsletter.

Statistik: In einer Partnerschaft: Was zählt da für Sie persönlich als Fremdgehen? | Statista
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